Offener Brief des kollektiven Zentrums vom 04.08.15 

Sehr geehrte Fr. Von Enckevort (SPD), sehr geehrter Hr. Farid Müller (Grüne), sehr geehrter Hr. 

Steffen Leipnitz (Die Linke), 

für  uns  sind  Sie  die  hauptverantwortlichen  Entscheidungsträger  ihrer  Fraktionen,  die  am 

09.06.2015  an  dem  Gespräch  im  Fachamt  SL  (Fachamt  für  Stadt-  und  Landschaftsplanung) 

teilgenommen haben, in dem die Zwischennutzung in der ehemaligen Kita in der Norderstraße 65 

verhandelt wurde. Daneben waren noch Vertreter_innen des KuNaGe, koZe, Fachamt SL, der HBK, 

des LIG und der CDU anwesend. 

Als vertrauensbildende Maßnahme haben wir gemeinsam beschlossen, dass wir dem LIG und der 

HBK  eine  Begehung  gestatten.  Im  Anschluss  daran  sollte  ein  weiteres  Gespräch  mit  allen 

Akteur_innen  stattfinden  um  einen  Zwischennutzungsvertrag  für  die  ehemalige  Kita  zu 

verhandeln, der die folgenden Rahmenbedingungen umfasst: 

Wie ursprünglich vorgesehen wird koZe e.V. Mieter anstelle der KuNaGe e. V. 

1.  Weiterhin symbolischer Mietpreis 

2.  Verhandlung um das ganze Gebäude 

3.  Ergebnis des Gesprächs war es, dass alle aufeinander zugehen. Begehung und neues 

Verhandlungsgespräch. 

Die  Begehung  hat  wie  gewünscht  stattgefunden.  Hierzu  die  Antwort  des  Senats  (Drucksache 

21/771): „Am 15. Juni 2015 hat eine Begehung unter anderem mit Vertreterinnen und Vertretern 

des LIG und der Investoren sowie mehrerer Sachverständiger stattgefunden, bei der Zugang zu 

allen Räumen gewährt wurde und alle erforderlichen Maßnahmen insbesondere im Hinblick auf 

die  Feststellung  der  aktuellen  gebäudetechnischen  Situation  und  die  Untersuchung  der 

Gebäudesubstanz wie geplant durchgeführt wurden.“ 

Auf  eine  Einladung  zu  einem  Gespräch,  um  wie  vereinbart  mit  allen  Akteuren die 

Zwischennutzung neu zu verhandeln warten wir bis heute leider vergeblich. Vielmehr ist es so, 

dass wir indirekt über die Medien oder die KuNaGe e.V. erfahren müssen, dass der LIG uns nicht 

als Gesprächspartner betrachtet und uns eine Existenzberechtigung abspricht (Daniel Stricker, 

Sprecher  der  Finanzbehörde  in  der  taz  vom  31.07.15).  Auch  telefonische  Anfragen  unserer 

Vereinsvorsitzenden  sind  nicht  möglich,  weil  Vertreter  des  LIG  die  Gespräche  abbrechen  und 

auflegen. 

Während  wir  weiterhin  gesprächsbereit  sind,  setzt  der  LIG  auf  Konfrontation.  Das Niveau  der 

Aussagen von Herrn Stricker lassen wir hier bewusst unkommentiert. 

Wir haben bei dem Gespräch im Fachamt SL auch offen gesagt, dass wir den ganzen Schulhof 

benutzen. Wir waren uns auch einig darüber, dass es völlig absurd wäre, wenn wir das nicht tun 

würden. Schließlich war der ganze Hof frei zugänglich. Es war also auch der LIG bekannt, dass wir 

den gesamten Schulhof benutzen. 

 

Der  gewaltsame,  zwischen  LIG  und  Polizei  abgesprochene  Einsatz  am  Montag  führt  nun  alle 

politischen  Verhandlungen  im  Vorfeld  ab  absurdum.  Warum  werden  wir  zu  einem 

Verhandlungsgespräch eingeladen, wenn lediglich wir uns an die Vereinbarungen halten und der 

LIG unabhängig von den politischen Gremien, entgegen den Vereinbarungen handelt? 

Da der momentane Zustand für viele Nutzer_innen des Hauses unerträglich ist und es tagtäglich 

zu Provokationen seitens der Polizei kommt, können wir dem Normalbetrieb nur noch schwer 

nachkommen. Gerne würden wir wieder unserer eigentlichen Arbeit nachkommen und das Haus 

so  nutzen,  wie  wir es die  Monate zuvor  getan haben.  Wir  fordern  einen  sofortigen  Abzug  der 

Polizei von unserem Hof und die Rückgabe unseres Hoftores. Dies sollte in Anbetracht unseres 

offensichtlich  deeskalierenden  Verhaltens  in  den  letzten  acht  Tagen,  keine  große  Forderung 

darstellen. 

Wir erwarten von Ihnen, dass Sie sich zu dem Sachverhalt äußern und verhalten. Wir verlangen, 

dass das Gespräch über eine Zwischennutzung der gesamten ehemaligen Kita, wie am 09.06.15 

vereinbart, mit allen beteiligten Akteuren stattfindet (Fachamt SL, HBK, LIG, Politik, KuNaGe e.V. 

und koZe e.V.). 

Statt  uns  zu  einem  Gespräch  einzuladen,  sind  seit  letzter  Woche  Montag  trotz  gültigen 

Mietvertrags  wieder  Warmwasser  und  Heizung  abgestellt  und  die  KuNaGe  e.V.  erhält 

Androhungen einer Kündigung vom LIG; eine Einladung von koZe e.V. zum Gespräch über das 

Mietverhältnis  ist  nicht  vorgesehen  (siehe  Brief  im  Anhang).  Viele  nützliche  Dinge  von  uns 

befinden sich auf der anderen Seite des Bauzaunes. Eine UÜbergabe dieses Eigentums wurde bisher 

von Polizei und LIG verweigert. Wir erwarten von Ihnen, dass sie dafür sorgen, dass wir unser 

Eigentum zurückerhalten. 

Der öffentliche Diskurs wird derzeit von den Verwaltungseinheiten LIG, Verfassungsschutz und 

der Polizei bestimmt. Einflüsse der Politik sucht mensch vergeblich. Wir erwarten, dass Sie endlich 

politisch tätig werden und mit uns gemeinsam versuchen diesen Konflikt zu lösen und dies nicht 

den  Hardlinern  aus  den  Verwaltungseinheiten  überlassen,  die  ständig  Ihre  Kompetenzen 

überschreiten und Politik machen. Das ist Ihre Aufgabe! 

Nach  unseren  Informationen  haben  bisher  keine  Asbestarbeiten  in  den  umliegenden 

Schulgebäuden  stattgefunden.  Vielmehr  wurde  die  Zeit  genutzt  die  Gebäude  unbewohnbar  zu 

machen. Damit hat der LIG Tatsachen geschaffen, die es unmöglich machen zukünftig Flüchtlinge 

in den Gebäuden unterzubringen, wie wir es gefordert haben. Somit hat der LIG auch hier in den 

politischen  Diskurs  eingegriffen.  Leider  ist  im  Vorfeld  niemand  aus  der  Politik  auf  die  Idee 

gekommen dort Flüchtlinge unterzubringen. 

Kommen Sie endlich aus Ihrer Deckung, zeigen Sie Gesicht, machen Sie Politik und verhindern Sie, 

dass die Spirale der Eskalation weiter steigt. Kommen Sie schlichtweg Ihrer Aufgabe nach. 

Mit freundlichen Grüßen 

koZe e. V.