14.6.2015

Hammerbrook ­ Kollektives Zentrum: Wird die Besetzung legalisiert? ­ Hamburg­Mitte ­ Hamburger Abendblatt

http://www.abendblatt.de/hamburg/hamburg­mitte/article205383287/Kollektives­Zentrum­Wird­die­Besetzung­legalisiert.html

1/4

Adresse dieses Artikels: http://www.abendblatt.de/hamburg/hamburg­mitte/article205383287/Kollektives­Zentrum­Wird­die­Besetzung­legalisiert.html

Von Ulrich Gassdorf

Hamburg. Die Stadt sucht mit Hochdruck nach einer Lösung im Konflikt
um das Kollektive Zentrum (koZe), dass seit einem halben Jahr das
zweigeschossige Kitagebäude auf dem Gelände der ehemaligen
Gehörlosenschule im Münzviertel besetzt hält. Oberste Priorität hat dabei
die Deeskalation. Hinter den Kulissen wird offensichtlich darüber

Hamburg plant offenbar, dem Kollektiven Zentrum im
Münzviertel einen regulären Mietvertrag für die ehemalige
Kita zu geben.

HAMMERBROOK

Kollektives Zentrum: Wird die
Besetzung legalisiert?

13.06.15

Diese jungen Demonstranten brachten im Mai bei einem Protestmarsch auf dem Jungfernstieg
ihre Unterstützung für das koZe mit deutlichen Worten zum Ausdruck Foto: JOTO

14.6.2015

Hammerbrook ­ Kollektives Zentrum: Wird die Besetzung legalisiert? ­ Hamburg­Mitte ­ Hamburger Abendblatt

http://www.abendblatt.de/hamburg/hamburg­mitte/article205383287/Kollektives­Zentrum­Wird­die­Besetzung­legalisiert.html

2/4

nachgedacht, das ​

koZe mit einem Mietvertrag auszustatten und damit für

Ruhe zu sorgen.

Nach Abendblatt­Informationen hat Finanzsenator Peter Tschentscher
(SPD) die Zukunft des koZe zur Chefsache erklärt. Die Immobilie liegt in
der Verantwortung des Landesbetriebs Immobilien und Grundvermögen
(LIG), der zur Finanzbehörde gehört.

Gegen einen Mietvertrag dürfte zumindest der Staatsschutz der Polizei
massive Bedenken haben. In einer internen Analyse des Staatsschutzes,
über die das Abendblatt am Dienstag berichtete, hieß es: "Mittlerweile kann
gesagt werden, dass sich mit dem koZe neben der Roten Flora ein zweites
autonomes Zentrum in besetzten Räumen in Hamburg zu etablieren droht."
Eine Räumung des Gebäudes in Hammerbrook, so die Einschätzung der
Experten, ist mittlerweile nicht ohne erhebliche Krawalle zu realisieren.

Deshalb steht für Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen
Polizeigewerkschaft (DPolG), fest: "Die Polizei hat eine glasklare Analyse,
die besagt, dass es auch militanten Widerstand bei einer Räumung geben
wird. Lässt man die Nutzung weiter zu, würde man den Zustand nur
zementieren." Ein Mietvertrag mit einem so obskuren Klientel wäre die
schlechteste Lösung, sagt Lenders, der auch CDU­
Bürgerschaftsabgeordneter ist.

FDP fürchtet Präzedenzfall

Die Möglichkeit, dem koZe einen Mietvertrag zu geben, soll auch schon mit
den Spitzen der Grünen und SPD­Bürgerschaftsfraktion erörtert worden
sein. Selbst FDP­Innenexperte Carl Jarchow sagte: "Eine legale Nutzung
mit Zustimmung aller Beteiligten wäre sicher kein Fehler." Wichtig ist
Jarchow dabei: "Allerdings sollten SPD­Innensenator wie SPD­geführter
Bezirk aufpassen, dass nicht der öffentliche Eindruck entsteht, solche
Übereinkünfte ließen sich erpressen. Das wäre schlecht für den
Rechtsfrieden in Hamburg."

Schon am Dienstag gab es ein Gespräch im Bezirksamt Mitte mit Politikern,
Vertretern des LIG und des Bezirks sowie dem koZe. Dabei machten die
koZe­Vertreter wohl auch den Wunsch nach einem Mietvertrag deutlich.
Zentrales Thema in dem Gespräch, bei dem die Bereitschaftspolizei vor der
Tür stand und etwa 70 koZeSympathisanten vor dem Eingang verweilten,

14.6.2015

Hammerbrook ­ Kollektives Zentrum: Wird die Besetzung legalisiert? ­ Hamburg­Mitte ­ Hamburger Abendblatt

http://www.abendblatt.de/hamburg/hamburg­mitte/article205383287/Kollektives­Zentrum­Wird­die­Besetzung­legalisiert.html

3/4

war die Begehung des Gebäudes. Dieser hat das koZe nun für kommenden
Montag zugestimmt.

Das LIG hatte das rund 8000 Quadratmeter große Areal Ende Dezember
2014 an den Investor HBK verkauft, der dort rund 400 Wohnungen
errichten und im Juli den Architekturwettbewerb starten möchte. Die Stadt
muss das Gebäude an den Investor übergeben – deshalb ist eine Begehung
notwendig. Die war bereits für den 23. März geplant, doch dann standen
Investor und Vertreter der Stadt vor verschlossenen Türen. Die koZe­
Aktivisten hatten die Schlösser zur Kita ausgetauscht. Auch die Schlösser in
den Gebäuden der ehemaligen Gehörlosenschule sollen ausgewechselt
worden sein.

Dass das koZe sich jetzt kooperativ gibt, hängt wohl mit der Aussicht auf
einen Mietvertrag zusammen. So schrieb ein Vertreter des koZe am
Donnerstag an einen Mitarbeiter des LIG: "Einer Begehung (...) stimmen
wir als vertrauensbildende Maßnahme grundsätzlich zu, um anschließend
wie vereinbart im Fachamt einen neuen Mietvertrag zu beschließen, der die
im Gespräch am 9. Juni 2015 fixierten Rahmenbedingungen umfasst." Dazu
gehört laut E­Mail die "Anmietung der gesamten ehemaligen Kita an der
Norderstraße 65. Auch ein Mieterwechsel vom KuNaGe e. V. (Kunstlabor
naher Gegenden) zu koZe e. V. wird angeführt.

Es besteht weiterhin Gesprächsbedarf

Die Stadt hatte zum 1. September vergangenen Jahres 70 Quadratmeter im
Erdgeschoss an das KuNaGe vermietet. Damit wurde der Weg für die
Besetzung des gesamten Gebäudes geebnet. Bleibt die Frage: Hat die Stadt
dem koZe tatsächlich einen Mietvertrag in Aussicht gestellt? Der Sprecher
der zuständigen Finanzbehörde, Daniel Stricker, wollte sich auf Abendblatt­
Anfrage dazu nicht äußern.

Das Bezirksamt Mitte: "Es hat viele Wünsche seitens des koZe gegeben,
aber eine konkrete Zusage für einen Mietvertrag gibt es nicht. Da besteht
noch weiterer Gesprächsbedarf", sagt Sprecherin Sorina Weiland. Da das
Grundstück noch nicht an den Investor HBK übergeben wurde, müsste
dieser einem Mietvertrag mit dem koZe zustimmen. Auch HBK­
Geschäftsführer Dietrich von Stemm wollte keine Stellungnahme abgeben.
Dem Vernehmen nach ist von Stemm aber von der Situation "extrem
genervt", würde aber einer temporären Nutzung der Kita­Fläche bis zu

14.6.2015

Hammerbrook ­ Kollektives Zentrum: Wird die Besetzung legalisiert? ­ Hamburg­Mitte ­ Hamburger Abendblatt

http://www.abendblatt.de/hamburg/hamburg­mitte/article205383287/Kollektives­Zentrum­Wird­die­Besetzung­legalisiert.html

4/4

einem Baubeginn im Jahr 2017 zustimmen, um sein Projekt in Ruhe
voranzutreiben zu können.

Für SPD­Stadtentwicklungsexperte Dirk Kienscherf (SPD) steht fest: "Wir
müssen hier eine rechtskonforme Regelung schaffen. Wie die aussehen
kann, werden weitere Gespräche zwischen der Stadt und dem koZe zeigen."