16.6.2015

Hammerbrook ­ Kollektives Zentrum: Erst besichtigt, dann beschwichtigt ­ Hamburg­Mitte ­ Hamburger Abendblatt

http://www.abendblatt.de/hamburg/hamburg­mitte/article205389359/Kollektives­Zentrum­Erst­besichtigt­dann­beschwichtigt.html

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Hammerbrook. Es waren skurrile Szenen, die sich am Montagmorgen am

Kollektiven Zentrum (KoZe)

 an der Norderstraße im Münzviertel

abspielten. Behördenmitarbeiter, Sachverständige, Mitarbeiter von
Vattenfall und der Investor durften nur in persönlicher Begleitung in die
gesicherte ehemalige Kita. Nutzer und Sympathisanten hatte sich zum
Empfang teilweise maskiert oder vermummt und begleiteten die Begehung
mit Sprechchören und Konfetti. Danach waren die Meinungen geteilt.

Das Kollektive Zentrum in Hammerbrook hat seine Türen
für Vertreter von Behörden und Investor geöffnet. Wie es
weitergeht, ist offen.

HAMMERBROOK

Kollektives Zentrum: Erst besichtigt,
dann beschwichtigt

16.06.15

Diese KoZe­Aktivisten schauen der Begehung von oben zu Foto: André Zand­Vakili

16.6.2015

Hammerbrook ­ Kollektives Zentrum: Erst besichtigt, dann beschwichtigt ­ Hamburg­Mitte ­ Hamburger Abendblatt

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Während man sich auf Seiten der KoZe "auf einem guten Weg" sieht, glaubt
der Vertreter des Investors HBK nicht an eine friedliche Lösung, an deren
Ende der Bau von Wohnungen auf dem Gelände steht.

Um 9.21 Uhr war der Delegation, angeführt von zwei Mitarbeitern der
Finanzbehörde, Zutritt auf das Gelände gewährt worden. Vorher hatte man
vor der Tür mit einem Anwalt im Beisein einer vermummten KoZe­
Aktivistin Vistenkarten und Freundlichkeiten ausgetauscht. Erst danach
ging es durch das ansonsten verschlossene Eisentor in das "offene
kulturelle, politische und soziale Zentrum", wie die Nutzer des KoZe die
Räumlichkeiten mittlerweile bezeichnen. Während der Begehung drangen
Sprechchöre aus dem Gebäude. "Kein Tag ohne kollektives Zentrum" war
unter anderem zu hören. Dabei wurde auch mit Konfetti und Luftschlangen
geworfen, wie einer der Beteiligten später sagte.

Die Wahrnehmung der Begehung ist so verschieden wie die Beteiligten. Der
vermummte KoZe­Vertreter mit Pumuckl­Perücke, der seinen Namen nicht
nennen möchte und sich auf kollektive Entscheidungen beruft, sieht sich
und die anderen Beteiligten aus der Szene als "ganz normale Nutzer", durch
die es "kleine Überschreitungen beim Mietvertrag" gebe. Die beschreibt die
Polizei in einem Dossier so: "So wurden abweichend vom Mietvertrag die
beiden oberen Stockwerke der Kita mit in Beschlag genommen. Es wird
auch offen über ein Übergreifen auf die Räume der Schule nachgedacht".

Die Nutzer, so sagt ihr Vertreter, hätten jetzt Angst, dass der bestehende,
monatlich kündbare Vertrag über die Zwischennutzung aus
"fadenscheinigen Gründen" gekündigt werde. Die Frage, ob man nach
Ablauf des Vertrages das Gelände räume, beantwortete er ausweichend.
Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde, sieht das Etappenziel
erreicht. "Trotz allem hat die technische Begehung stattgefunden. Alles, was
erforderlich war, hat stattgefunden." Den "Klamauk" vor Ort mochte er
nicht kommentieren.

Zurückhaltender gab sich Dietrich von Stemm, Geschäftsführer der
Hanseatischen BauKonzept, die rund 70 Millionen Euro dort investieren
und Wohnungen bauen will. "Solange es nur um eine reine
Zwischennutzung geht, ist das aus meiner Sicht gestaltbar", sagte er
versöhnlich und ganz im Sinn der von allen Seiten beschworenen
Deeskalierungslinie. Deshalb wollte er auch keine Stellungnahme zu der

16.6.2015

Hammerbrook ­ Kollektives Zentrum: Erst besichtigt, dann beschwichtigt ­ Hamburg­Mitte ­ Hamburger Abendblatt

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Begehung abgeben. "Das wäre sehr schwer zum Ausdruck zu bringen, ohne
jemandem zu nahe zu treten", so der Geschäftsführer. "Da wir uns alle
vorgenommen haben, ruhiger zu bleiben, werde ich dazu nichts sagen." An
die Fortführung des Wohnungsbauprojektes hat er klare Vorgaben. "Das
geht nur mit der Klarheit, dass mit dem Abschluss der Zwischennutzung
vertragsgemäß eine Räumung erfolgen muss", so von Stemm. "Offen
gestanden, daran glaube ich nicht."

Damit ist er ganz auf der Linie der Polizei, deren Staatsschutzabteilung
nicht an eine freiwillige Beendigung der Nutzung glaubt, sondern Proteste
und Anschläge befürchtet. Finanzbehördensprecher Stricker: "Priorität hat,
dass dort 400 Wohnungen gebaut werden."